Also doch wieder Berlin

In meinem Buch schrieb ich noch

„Berlin zu verlassen war eine meiner besseren Entscheidungen. Die Stadt und ich sind keine Freunde mehr. Und das liegt nicht an mir, es liegt an der Stadt, die mich zum Wahnsinn gebracht hat mit ihrem Krakeele. Wir haben uns auseinandergelebt. Es war eine heftige Affäre. “

und ich stehe nach wie vor dazu. Aber warum ziehe ich dann wieder da hin? Wieso in aller Welt ziehe ich wieder in die Stadt, aus der ich geflohen war?

Erst einmal: Es gibt berufliche Gründe, wieder da hin zu ziehen. (Natürlich bin ich auch ein Verfechter davon, Jobs, die einen zu etwas zwingen, was man nicht möchte, sein zu lassen. Aber der Job zwingt mich nicht, er bittet mich höflich und gibt mir eine Herausforderung, auf die ich mich schon sehr freue – dazu zu gegebener Zeit mehr.)

Ich gehe diesmal ganz anders in diese Stadt. Ich habe bereits eine Wohnung, ich habe einen Arbeit und (das ist wichtig) ich habe bereits Freunde dort. Ich habe eine soziale Struktur, in die ich hinein gehe, ich muss mir keine neue suchen. Ich falle nicht in ein ungewisses Nichts, ich weiß genau, was ich tue. Nicht so wie das letzte Mal, als der Umzug eine Mischung aus Neugierde, Eskapismus und Selbstüberschätzung war.

Ich weiß, mit welchen Menschen in Berlin ich nichts zu tun haben will, welche Orte ich nicht aufsuchen werde und was ich ganz bestimmt NICHT tun will.

Diesmal ist der Umzug kein Abenteuer. Ich habe in Berlin nichts zu erledigen, keine offenen Rechnungen mehr. Ich möchte die Stadt diesmal neu erleben, anders erleben als das erste Mal.

Ich habe nun die Chance dazu und die werde ich nutzen. Ich passe auf mich auf und ich weiß, dass im Zweifel meine Freunde dort sagen werden „tomate, meinst du wirklich, dass das, was du gerade tust, gut für dich ist?“ Und diesmal werde ich auf sie hören.

Berlin, ich bin noch nicht fertig mit dir. Wir zwei haben noch was vor.

(Das Titelbild „Wohnsitz Neukölln“ ist von Jörg Kantel und steht unter CC BY NC ND 2.0 auf flickr.)

Kommentar verfassen