Leitlinien für Homosexuelle in der AfD

Die Homosexuellen in der Alternative für Deutschland haben ein Leitlinien Papier veröffentlicht. 4 Seiten PDF. Im Original und als Mirror, falls es geändert wird oder so. Ich habe mir die Mühe gemacht, dass Papier zu lesen. Normalerweise würde ich das ja alles ignorieren, aber in Zeiten, in denen die AfD zweistellige Wahlerfolge hat und in die Parlamente eingezogen ist, muss ich mich damit auseinander setzen, denn das Papier der Homosexuellen in der AfD zeigt mir ziemlich genau, wohin der konservative Wind weht.

Ich habe das Papierwirklich mehrfach gelesen und kommentiere den Teil, der sich direkt mit Homosexuellen Menschen befasst. Den Kram über „Frühsexualisierung der Kinder“, „Gendermainstreaming“, „Europa der Vaterländer“ und den anderen Rotz lass ich weg. Eine Zusammenfassung des Papiers findet ihr bei queer.de.

Im Bewusstsein unserer Verantwortung vor Gott, Deutschland, den Menschen und unserer Partei haben wir, die Mitglieder der „Homosexuellen in der AfD“, die Pflicht, zum Wohle der Freiheit und Wohlfahrt unserer Nation zu wirken. Wir erteilen jedem Vereinnahmungsversuch der Homo-, Bi-, Inter- und Transsexuellen durch den linken Zeitgeist eine klare Absage und bekennen uns zu den Werten des Rechtsstaates und Positionen der Alternative für Deutschland. Als Vertreter der bürgerlichen, konservativen und liberalen Homosexuellen verurteilen und bekämpfen wir alle gegen Deutschland und im Besonderen gegen die Homosexuellen gerichteten Bedrohungen jedweder Weltanschauung. Wir bekennen uns zum innerparteilichen Pluralismus und zum demokratischen Diskurs.

Das fängt gut an. Die „Verantwortung vor Gott, Deutschland, den Menschen und unserer Partei“. Drunter geht es nicht. Wirklich. Erst kommt Gott, dann kommt Deutschland, dann die Menschen (die auch darin leben) und dann direkt die Partei. Das hatten wir schon mal – nur ohne Gott, dafür mit Führer und rosa Winkel.

Diese Stelle ist die eine der wenigen im Papier, in der von mehr als nur Homosexuellen gesprochen wird. Bi-, Inter- und Transsexualität werden nur selten erwähnt. Ich bin mir sicher, sie sind ein Produkt des „linken Zeitgeists“, der hier dämonisch beschworen wird. Linker Zeitgeist, das ist, wenn Menschen sich nicht wie Arschlöcher verhalten und man dafür sorgt, dass einfach alle Menschen glücklich werden – egal ob Cis oder Trans. Egal, welche Geschlechter sie lieben. Wenn alle die gleichen Rechte erhalten, die auch die Mehrheitsgesellschaft hat. Hier, bei den Homosexuellen in der AfD, hier ist der „linke Zeitgeist“ etwas schlechtes, wird als das Böse verwendet, dass uns die heterosexistische Norm zerstört.

Schwulen und Lesben liegt Deutschland genau so sehr am Herzen, wie jedem anderen liebenden Menschen mit einem Bezug zu Familie, Heimat und Nation

Schwule und Lesben. Männer und Frauen. Anderes existiert nicht. Und sie lieben ihr Land, aber nur im Dreiklang „Familie, Heimat und Nation“. Familie, das ist der Ort, an dem Väter ihren Jungen sagen, dass sie sie tot schlagen, wenn sie schwul sind. Familie, das ist der Ort, an dem bisexuelle Menschen gesagt bekommen, dass das nur ein Phase ist. Heimat und Nation tun alles dafür, dass diese „Familie“ erhalten bleibt, die jungen Menschen die Unterstützung verwehrt, die sie doch so dringend brauchen, weil eine Normalität konstruiert wird, die Menschen als „falsch“ deklariert.

Aus obiger Ausgangslage stellen die Homosexuellen in der AfD Forderungen auf:

1. Eine lebendige Demokratie!

Vor allem ist eine offene Meinungskultur auch in sogenannten „Minderheitenfragen“ anzustreben. So lehnen wir den Gebrauch des Wortes „Homophobie“ und andere Entgleisungen sogenannter politischer Korrektheit ab. Begriffe, wie „Homophobie“ und „Islamophobie“, gehören als Totschlagargument nicht in die politische Auseinandersetzung. Vielmehr gehört die Denunziation z. B. konservativer Ansichten genauso bekämpft wie eine Denunziation der Homosexualität.

Jow. Die lebendige Demokratie. In der Vorstellung der Homosexuellen in der AfD passiert das durch Silencing. Ja nicht ehr sagen, dass es Homophobie ist. Ich neige ja dazu, zu zu stimmen, denn ich finde, das richtige Wort ist „Homohass“ aber ich meine heraus zu lesen, dass die Homosexuellen in der AfD das so gar nicht meinen. Es ist ja auch ein verwegener Streich in diesem Papier zu behaupten, dass Kritik gleich „Denunziation“ ist. Mit der Gleichsetzung von Homosexualität und konservativer Ansichten wird weggeleugnet, dass ich mir meine politische Meinung aussuchen kann, meine Sexualität aber nicht. Es ist nicht das Gleiche und es brauch keiner von den Papier-Autor*innen so tun, als ob es strukturell keinen Unterschied macht, ob jemand konservativ oder homosoexuell ist.

Mit großer Sorge blicken wir auf die Entwicklung von LSVD, Aidshilfe und anderen Organisationen. Homosexuelle Berufsfunktionäre neigen im Rahmen ihrer politischen Fokusierung dazu, eine gesamte „Community“ in Geiselhaft zu nehmen und sich zu einem Sprachrohr aller Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen aufzuspielen. Dies aber halten wir für falsch.

LSVD, Aidshilfe und andere Organisationen kämpfen für den Abbau struktureller Ungleichheit. Es ist ihr verdammter Job, genau das zu tun. Das tun sie, in dem sie Communitys vertreten – ob nun Teile das wollen oder nicht. Die Homosexuellen in der AfD vertreten ja auch eine Community, auch wenn Teile der Community das nicht wollen. Nicht zu vergessen, dass LSVD und Aidshilfe eine Arbeit leisten, die euch natürlich ein Dorn im Auge ist: den Status quo so verändern, dass alle Menschen glücklich leben können. Leute, das ist gelebte Demokratie, die ihr doch so gerne haben wollte. Ich weiß schon, ihr wollt lieber, dass jede Transperson selbst kämpft. Alleine. Jede lesbische Frau soll selbst kämpfen. Alleine. Weil alleine sind diskriminierte Menschen eh schon schwach, da kann es doch nicht sein, dass ein Verband ihre Kämpfe unterstützt.

2. Eine eigenständige Betrachtungsweise der Homosexualität!

Es bedarf einer eigenen Symbolik und schöpferischer Bezeichnungen für homosexuelle Bindungen, die sich vom Genderwahn abheben und in der deutschen Sprache als emotionale Begrifflichkeit gebräuchlich werden können. Ausgangslage für den Weg eine eigene Phänomenologie der Homosexualität zu schaffen, ist die deutsche Geschichte und Kultur. Wir wollen dabei die Leistungen von Homosexuellen für die deutsche Kultur vermittelt sehen. In diesem Zusammenhang ist auch die historische Leistung der frühen deutschen Homosexuellenbewegung von etwa 1800-1933 verstärkt zu würdigen, gute Konzepte für den gesellschaftlichen Dialog der Zukunft bereit hält.

Los, neue Symbole her, denn die alten Symbole sind mit dem Kampf um Gleichstellung behaftet. Es gab doch so viele homosexuelle Menschen, die bis 1933 so viel tolles gemacht haben!  Was eine „eigenständige Betrachtungsweise der Homosexualität“ aber genau sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. Vermutlich weil ich nicht weiß, was Phänomenologie heißt. Und ansonsten sind die Begriffe alle zu nah am Genderwahn, dass kann ja nicht gut gehen. Ich lese daraus, dass wir eine neue, emotionale Begrifflichkeit für z.B. „Ehe für Alle“ (Wie wäre es mit Ehe?) und „Arschfick“ (In emotional wäre das dann „liebevoller Arschfick“ Wie ich gelernt habe, heißt das „Poliebe“) brauchen. Wirklich, ich verstehe diesen Absatz nicht (und ich will ihn auch nicht erklärt bekommen, Danke).

Ein Ja zu den Errungenschaften des ausgefochtenen Emanzipationskampfes! Die Eingetragene Lebenspartnerschaft ist als emanzipatorische Leistung zu würdigen. Sie stellt bereits jetzt in fast allen Rechtsbereichen die Gleichstellung von verantwortlichen Partnerschaften dar. Wir begrüßen den Status Quo der Stiefkind-Adoption

Der Emanzipationkampf ist ausgefochten, fertig. Danke sehr. Gehen sie weiter, es gibt nichts zu kämpfen. Ehe für alle ist nicht nötig, denn ihr habt doch schon fast alle Rechte, die Heterosexuelle Ehen auch haben. Ihr Transmenschen, ihr habt doch auch genug bekommen, hört ma auf zu kämpfen. Was wollt ihr denn noch? Etwa wie Menschen behandelt werden?!? Der Status Quo der Stiefkindadoption ist übrigens ziemlich OK. Leider ist der der Adoption defekt, aber auch das ist wohl schon ausgefochten, wa? Nein, natürlich nicht, aber das ist für die Homosexuellen in der AfD natürlich völlig logisch, da nicht weiter nach zu bohren – was ist, muss reichen. Was nicht schon immer war, darf nicht sein. Unrechtes Recht muss Recht bleiben.

Ich frage mich ja, wovor die Homosexuellen in der AfD Angst haben, dass sie sich so sehr neuen Rechten anbiedern. Wir wissen doch alle, was passiert, wenn Nicht-Hetromenschen heiraten und die gleichen Rechte haben, die heterosexuelle Paare haben: Zwei Menschen heiraten, werden im besten Fall glücklich und niemanden tut es weh. Erst recht nicht den Hetro-Ehepaaren, denn für sie ändert sich gar nichts – außer, dass sie ihre Privilegien verlieren und weniger leicht auf andere Menschen herabsehen können. Das tut vermutlich sehr weh, denn das Glück der Anderen ist nicht meines und muss verhindert werden – denken zumindest die Homosexuellen in der AfD.

Ein Gedanke zu “Leitlinien für Homosexuelle in der AfD

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