Ready Player One

Am Freitag Abend flog ich nach Wien, um den den 40ten Geburtstag einer Freundin dort zu feiern. Da ich am Samstag wieder in Berlin sein musste, klickte ich mir einen Rückflug für morgens um 6:30 Uhr und da ich ja nur für eine Party dort war, hielt ich es für eine gute Idee, so wenig wie möglich mitzunehmen. Der Laptop blieb also zu Hause und damit die Tasche, in der ich ihn immer rumtrage. Am Flughafen fiel mir dann ein, was deswegen auch zu Hause geblieben ist: Das Buch, das ich gerade lese.

Zum Glück gibt es in der Wellblechhütte (Terminal C des Flughafen Tegel – Bild auf Wikimedia Commons) ein Geschäft, dass neben Zeitschriften, viel zu teuren Getränken und Süßigkeiten  und schrecklichen Mitbringseln (Gern geschehen Anita!) auch Bücher verkauft. Natürlich vor allem Best Seller und leichte Romantik, ein paar Kinder- und Jugendbücher. Ich hatte also nicht viel Auswahl und das einzige Buch, das ich bereit war zu lesen und das ich noch nicht gelesen hatte:  Ready Player One (RPO) von Ernest Cline (Wikipedia). 

Doch um was geht es denn? RPO ist erst einmal ein Abenteuerroman, der in einer bitteren Zukunft spielt. 2045 hat die Energiekrise die Welt im Griff, ein großer Teil der Menschen lebt verarmt in riesigen Trailerparks (Wikipedia), so auch Wade, der Hauptprotagonist von RPO. Für fast alle Menschen speilt sich ihr Leben in einer virtuellen Realität ab: der OASIS. Hier gehen sie zur Schule, zur Arbeit, finde Unterhaltung und Entspannung. Der Schöpfer dieser Welt, James Halliday, ist Verstorben und hat keine Erben hinterlassen – aber ein großes Abenteuer: Wer das Easter Egg, dass er in OASIS versteckt hat zuerst findet wird sein Vermögen und die Kontrolle über OASIS erben. Zu Beginn des Buches suchen Millionen Menschen schon seit 5 Jahren nach dem Ei (sic!), dass Halliday in OASIS versteckt hat und niemanden ist es bisher gelungen, auch nur den ersten Schlüssel zu finden. Menschen, die das Ei suchen nennen sich selbst Jäger, einige haben sich in Clans zusammen geschlossen, viele arbeiten alleine. Der große Antagonist der Jäger und damit auch von Wade ist ein großer Telekommunikationskonzern (IOI), der gerne die Kontrolle über OASIS und damit über das Leben aller Menschen erlangen will. Der Konzern stellt ein eigenes Team Jäger.

Um das Ei zu finden, müssen drei Schlüssel gefunden werden, die jeweils ein Tor öffnen und hinter jedem Tor eine Quest erledigen. Die Person, die zuerst alle drei Tore öffnet und alle Abenteuer erhält das Ei und damit die Kontrolle über OASIS. Halliday war laut dem Buch ein großer Fan der 80er Jahre Popkultur, von alten Videospielen, Pen&Paper Rollenspielen wie Dungeon&Dragons (Wikipedia), Filmen, Musik – einfach allem, was die 80er so hergaben (außer Frisuren – darüber steht in dem Buch zumindest Nichts) und RPO ist voller Referenzen zu diesen Sachen: Musik von Rush (Wikipedia), Filme wie Breakfast Club (Wikipedia) und Highlander (Wikipedia), Arcarde-Spielen (Wikipedia) und um das Ei zu finden müssen die Jäger sehr genau über diese Zeit bescheid wissen und die Leser*innen müssen mindestens mittelgrobe Kenntnisse haben. wenn diese Kenntnisse bei den Leser*innen nicht vorhanden sind, reihen sich einfach nur viele Namen aneinander die Nichts sagen und Nichts vermitteln.

Auf anderen Ebenen ist dieses Buch noch einiges mehr: Es ist die Coming of Age Geschichte des Helden aus dem Trailer-Park: Selbstständig werden und die erste Liebe erleben. Freundschaften auf die Probe stellen und erreichen, dass sie weiter bestehen. Hindernisse des Alltags überwinden und nicht an der Welt zerbrechen. RPO ist aber auch ein Blick in die Zukunft: Virtual Reality. Die Gefahr, die von Monopolen ausgeht (in dem Buch in Form von IOI). Die Frage, was eine Regierung eines Landes wert ist, das niemanden mehr interessiert, weil sich das Leben zwar physisch an einem Ort abspielt aber das nur, weil der Körper irgendwo sein muss. Die Bedeutung von Online-Kommunikation, hier in seinem Extrem: Ein System, in dem alles abgewickelt wird. Einige Fragen die es wert wären in dieser durchaus guten Geschichte breiter diskutiert zu werden offenbart sich nach 2/3 des Buches: Ein Freund von Wade, den er bisher nur in OASIS traf entpuppt sich als schwarze lesbische Frau und nicht der weiße Typ, den sie benutzt um eben NICHT dauernd der Diskriminierung ausgesetzt zu sein. Dazu finden sich ca. 5 Zeilen in dem Buch und es wäre gut gewesen, hier eine positive Auflösung zu haben. Leider verpasst RPO diese Chance und hält an an „On the Internet, nobody knows you’re a dog“ (Wikipedia) fest ohne es weiter zu bewerten.

Nach gut einem Viertel haben mich die die 80er Referenzen genervt. Wahllos eingestreut nur von einem groben Rahmen (Jäger müssen ganz viel 80er Wissen haben) gehalten werden sind sie zweckfrei und sorgen nur dafür dass ich dachte, dass mir der Autor die 80er als das beste Jahrzehnt ever zu verkaufen. Das ist es aber nicht – ich sage nur: Frisuren. Natürlich sind in der Rückschau die 80er gerade Popkulturell ein wichtiger Teil der Geschichte. Das gilt aber nur, wenn man ein:e Nerd*ette ist. RPO macht meiner Meinung nach keinen wirklichen Versuch, dem Jahr 2040 eine eigene Kultur zu verpassen sondern kritisiert nur die Vorherrschaft einiger weniger Konzerne. Das ist Politik und gehört auch adressiert aber Konzernvorherrschaft ist halt nicht mit einer Kultur gleichzusetzen. Das Buch verpasst es den Leser*innen eine kulturelle Vision aufzuzeigen.

Mein größten zwei Kritikpunkt sind aber erstens, dass die Idee der zweiten Hauptfigur Art3mis irgendwie lächerlich gemacht und als absurd dargestellt wir: Ihre Idee ist es, mit dem Geld das sie durch das Finden des Eis erlangen wird die Welt zu verbessern, die Lebensbedingungen der Menschen auf dem ausgebeuteten Planeten zu verbessern. Wades Idee, von dem geld ein Raumschiff zu bauen und mit „den guten Menschen“ zu verschwinden findet der Autor besser und teilt uns das durch Wade auch mit. Der zweite Kritikpunkt, den ich habe finden wir am Ende des Buches: Wade wird durch den Avatar des verstorbenen Hallidays ermahnt, nicht zu viel Zeit in OASIS zu verbringen, denn man könne nur in der wirklichen Welt reales Glück finden. Für diese Aussage hat der Autor wenig Grundlage gelegt. Die ganze Geschichte handelt davon, dass der Protagonist durch OASIS ganz reales Glück erfährt. Ich muss gestehen, dass es mir schwer fällt, diesen Ratschlag anzunehmen. Der Charakter Hallidays ist in den 80ern stecken geblieben, in der „guten alten Zeit“, als alles noch pixeliger war. Ich weiß nicht, ob das Buch für jüngere Leser*innen funktioniert, ich glaube ich würde viele Referenzen einfach nicht verstehen.

Es ist nicht verwunderlich, dass das Buch verfilmt worden ist: Nerds, Popkultur, VR, ein bisschen Gesellschafts-/Kapitalismuskritik (aber nicht zu viel!). Die Trailer sehen sehr bildgewaltig aus und ich werde mir den Film vermutlich ansehen, denn ein Film von Steven Spielberg (Wikipedia) verspricht eines: Unterhaltung und Popcornkonsum und das reicht mir ja oft schon. Insgesamt bleibt das Buch ein guter Abenteuerroman. Wäre ich ein Buchmagazin (das ich nicht bin) gäbe ich solide 5/7.

Wenn du jetzt trotzdem Lust hast, Ready Player One zu lesen – du kannst es gedruckt gedruckt bei und buecher.de erwerben oder als eBook bei Goole Play, iBooks oder für den Kindle kaufen (alles Partnerlinks).

Website von Ernst Cline
Ready Player One bei Fischer TOR
Ready Player One Filmwebsite

Das Titelbild habe ich mir einfach von der Seite von TOR Online genommen – und zwar aus diesem Special zu Ready Player One. Das Buchcover ist von Fischer TOR, ein Imprint der S. Fischer Verlag GmbH.

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1 comment
  1. […] klar ist, was ein Jaeger ist, hier auf youtube gibt es die Erklärung (bitte nicht mit Jägern aus Ready Player One […]

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